Presseauswertung 2020

AKTUELLESTE BEITRÄGE IMMER GANZ UNTEN

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NEUES DEUTSCHLAND

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1139562.csd-queer-und-radikal-gegen-das-kapital.html

Queer und radikal gegen das Kapital
Marie Frank geht lieber zum Dyke*March als zum kommerzielles Massenevent CSD.

Der CSD steht wegen seiner kommerziellen Ausrichtung schon lange in der Kritik. Nicht wenige finden es heuchlerisch, dass kapitalistische Großkonzerne wie Coca-Cola oder Unterdrückungsapparate wie die Bundeswehr, die Polizei oder die Kirche dort mit Wagen vertreten sind. Schließlich können sie sich dadurch als weltoffen und tolerant verkaufen, obwohl sie sich den Rest des Jahres keinen Deut darum scheren oder sogar aktiv an der Unterdrückung von Queers und anderen marginalisierten Gruppen beteiligt sind.

Zum Glück gibt es in Berlin eine Vielzahl anderer queerer Strukturen, die am selben Tag auf die Straße gehen. Etwa der Dyke* March, der ab 15 Uhr am Alexanderplatz für lesbische Sichtbarkeit sorgt, oder der anarchistische CSD, der ab 18 Uhr am Kottbusser Tor gegen jede Herrschaft in den Kampf zieht.

Weil der herkömmliche CSD in diesem Jahr vor allem online stattfindet, bekommen diese linksradikalen Kämpfe eine umso größere Aufmerksamkeit. Im besten Fall können dadurch Leute aus der Provinz, die sonst nicht so große Berührungspunkte mit diesen Strukturen haben und beim Massenevent gelandet wären, mit ins Boot geholt werden. Denn wie alle progressiven Kämpfe müssen auch queere Kämpfe immer antikapitalistisch sein. Alles andere ist nur Kosmetik.

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TIP – BERLIN

Kommentar
CSD 2020 in Berlin: Kein Umzug. Kein Drama! Es gibt genug Alternativen

https://www.tip-berlin.de/csd-2020-berlin-kein-umzug-trotzdem-demonstrieren-nur-anders/

Der CSD 2020 in Berlin fällt nicht aus – findet aber auch nicht so statt, wie wir es gewohnt sind. Keine Parade (auch, wenn diverse Facebook-Events den Eindruck vermitteln), dafür ein Live-Stream mit vielen Künstler*innen und Aktivist*innen. Der Berliner Verein, der jedes Jahr das Mega-Event mit Dutzenden Trucks und Hunderttausenden Besucher*innen organisiert, setzt auf digitale Sichtbarkeit. Gleichzeitig gibt es Alternativen, die ohnehin endlich mehr Aufmerksamkeit brauchen. Ein Kommentar.

Tatsächlich ist der CSD in der partywütigen Hauptstadt ein fixer Termin für alle Menschen, die auf Großevents mit Musik stehen. Warum auch nicht: Behutsam tuckern Trucks durch die Straßen vom Ku’damm bis zum Brandenburger Tor, spielen von Schlager bis Techno für so ziemlich jeden Geschmack etwas (wobei – Jazz-Fans haben es schwer). Dazu geht es um eine gute Sache, nämlich Menschenrechte: das Leben, die Liebe, die Libido.
CSD ist zunehmend in Kritik geraten

Trotzdem ist in den vergangenen Jahren auch zunehmend Kritik laut geworden. Denn der CSD, das steht außer Frage, ist Opfer seine Größe: Der Anspruch, möglichst groß zu werden, hat viel vom ursprünglichen Geist aufgefressen. Stonewall – bei den Aufständen in New York waren vor allem Schwarze trans*-Frauen ganz vorne dabei – hält als Motto her. Gleichzeitig stellen sich viele, die nicht weiß, schwul und somit innerhalb der LGBTQIA+-Welt noch recht privilegiert sind, die Frage, wo und wie sie wahrgenommen werden.
Pride Parade Ende Juni: Der Protest soll politischer werden. Foto: Imago Images/Müller-Stauffenberg

Gleichzeitig tanzen die Massen neben Trucks von Banken, die in den USA die Trump-Partei unterstützen. Oder neben dem von der CDU. Klar, ein Mega-Event muss finanziert werden. Aber um jeden Preis?

Die Organisatoren sind stolz auf die Sichtbarkeit, die Größe des Umzugs, der Berlins Mitte verkehrstechnisch einfach mal den halben Tag lahmlegt. Aber wie viel Wirkung haben die Bilder der aufgekratzen Spaßfraktion wirklich? Wie viel der reingebauten politischen Botschaft kommt nach dem fünften Sektchen bei 30 Grad eigentlich noch an? Welcher Gestrige öffnet seine Gedanken endlich für die Vorstellung, dass auch andere Modelle als das Normative – die Heterosexualität – in Frage kommen können?
Dyke March, ACSD – es gibt genug Alternativen zum Demonstrieren

Für viele ist der CSD auch ein Jahrmarkt des Skurrilen. Die lustigen Transen, die lustigen Fetischvögel mit den Hundemasken, die lustigen Lesben mit den Kurzhaarschnitten. Hauptsache, am Ende noch Melanie C. vorm Tor sehen und Bungeejumping auf der Straße des 17. Juni.
Der Dyke-March für lesbische Sichtbarkeit ist jedes Jahr ein Gegenpol zum CSD. Foto: Imago Images/snapshot

In diesem Jahr gab es als Reaktion auf die Absage des CSD eine Pride-Parade mit betonter politischer Ausrichtung, 5.000 Leute kamen. Zum Protest von Black-Lives-Matter am Alexanderplatz reisten deutlich mehr – eine Bewegung, die bewusst Trans*Menschen inkludiert. Der Dyke*Marsch für lesbische Sichtbarkeit tritt am Tag des digitalen CSD, dem 25. Juli, den Weg vom Alexanderplatz (15 Uhr) zum Brandenburger Tor an. In Kreuzberg beginnt am selben Tag um 18 Uhr der Anarchistische CSD. Und dann der klassische CSD, zehn Stunden online. Dass es den großen Umzug nicht gibt, ist wahrlich kein Drama.
Aufmerksamkeit mal nicht nur bis zum nächsten Techno-Truck

Unterschiedliche Veranstaltungen, die doch eins eint: Eine klare politische Message, ein offensives Eintreten für Menschenrechte. Deren Zustand ist auch in Deutschland noch kein Grund zum Feiern. Gleichzeitig, und dafür darf der CSD vielleicht auch seine Rolle als Kommerz-Event ausfüllen, dürfen wir uns auch feiern, für alles, was erreicht worden ist.

In diesem Jahr ist alles anders. Die ganz große Show fällt aus. Dafür gibt es die Chance, dass all die Brände am Rand der Hauptstraße nicht übersehen werden, weil die Feuerwehr am Brandenburger Tor aufspielt. Sichtbarkeit bleibt wichtig, denn wir sind lange noch nicht am Ziel – möge das Spaßvolk, dass den CSD so groß macht, seine Aufmerksamkeit weiter als bis zum Truck mit der besten Musik lenken.

Dyke March ab 15 Uhr, Anarchistischer CSD ab 18 Uhr, zudem LGBTempelhof-Meeting auf dem Tempelhofer Feld. Der CSD findet vor allem online statt, alle Infos hier.

Sebastian Scherer

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BZ BERLIN

CSD Berlin: Haltbarkeitsdatum überschritten?

Die große Pride-Parade des Berliner CSD e. V. flimmert dieses Jahr bekanntlich nur virtuell über die Bildschirme. Dafür findet um 15 Uhr der „Dyke*-March“ vom Neptunbrunnen statt, um 18 Uhr eine „anarchistische“ CSD-Demo vom Kottbusser Tor, ab 17 Uhr ist eine „F*li*nt PRIDE 36 Kundgebung“ am Mariannenplatz geplant. Derweil fordern queere Medien wie die „Siegessäule“, den kommerziellen CSD ganz abzuschaffen, weil sein „Haltbarkeitsdatum“ überschritten sei.

https://www.bz-berlin.de/liveticker/csd-berlin-haltbarkeitsdatum-ueberschritten

 

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QUEER.DE

zitiert den Aufruf:

Berlin: Anarchistischer CSD

25.07.2020, 18:00 – 22:00 Uhr
Kottbusser Tor, Berlin

Demo von Kottbuser Tor über Hermannplatz zum Rathaus Neukölln und zurück

Aus der Einladung der „Vorbereitungsgruppe“ des „Anarchistischen CSD“: Die Route wird von dort zum Hermannplatz gehen, in die Sonnenallee und von dort über die Erkstraße zum Rathaus Neukölln, dann weiter über die Flughafenstraße bis zur Hermannstrasse um dann am Hermannplatz mit Show und Tanzmusik zu enden. Angemeldet bis 22.00 Uhr.

Die Route wurde von uns ausgewählt um die Verdrängung von Menschen aus ihren Kiezen zum Thema zu machen und sich in solidarischer Weise auch zum räumungsbedrohten Treffpunkt in der Weisestraße (Syndikat) zu positionieren. Ebenfalls ausschlaggebend für die Wahl der Route waren die dort geschehenen rassistischen, homo- und transfeindlichen Übergriffe, wir setzen damit ein Zeichen gegen Fundamentalisten, sprich Faschisten und Macker.

Während sich der CSD vom Kurfüstendamm ins Netz verkrümmelt hat, übernehmen wir die Verantwortung für unsere Sichtbarkeit auf der Strasse. Covid 19 hat einen patriarchalen Rollback beschert, der die patriarchale Kleinfamilie als Lebensform begünstigt. Wir wollen queeren Lebensweisen in ihrer ganzen Bandbreite zu Sichtbarkeit verhelfen, auch während der Pandemie – von pervers bis zärtlich. Es wird ein Konzept zur Regelung des Abstandes und der gesundheitlichen Sicherheit am Anfang der Demo vorgestellt.

Ein offenes (moderiertes) Mikrophone wird zum freien Sprechen einladen, um dem allgemeinen Unmut über Missstände auch sicht- und hörbar Ausdruck verleihen zu können.

Wir, die Orgagruppe, haben uns entschlossen, dem CSD eine anarchistische Note zu geben. Die Vision einer Gesellschaft ohne Herrschaft bedeutet alle gesellschaftlichen Fragen aus einer queeren und anarchistischen Perspektive zu beleuchten. Wir können unsere unterschiedlichen Ansprüche auch an die Demo derzeit (z. B. Barrierefreiheit) nicht bzw. nur bedingt einlösen. Die Pandemie ist uns zeitlich und somit auch für inhaltliche anspruchsvollere Vorbereitung in die Quere gekommen, aber wir wollten nicht auf die Demo verzichten.

Im Anschluss an den Dyke*March laden wir also zu dem Anarchistischen CSD ein. Mit einer kleinen Show und wilder Musik zum Tanzen endet die Demo um 22.00 Uhr am Hermannplatz.

https://www.queer.de/events_detail.php?event_id=4930

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BERLINER ZEITUNG

CSD in Berlin: Regenbogen-Demo im Internet

Die Straßenparade ist Jahr für Jahr die größte und bunteste Demo Berlins. Diesmal fand sie virusbedingt (fast) nur im Internet statt. Doch auch dort wurde das Motto „Don’t hide your pride“ gelebt.

BerlinCorona hat auch dem Christopher Street Day in Berlin einen fetten Strich durch die Rechnung gemacht. Anstatt wie im vergangenen Jahr mit rund einer Million Menschen auf den Straßen Berlins mit einer bunten Parade queeres Leben für alle sicht- und hörbar zu machen, fand am Sonnabend alles im Internet statt:

Zu sehen und zu hören war und ist ein Livestream mit zehn Stunden ununterbrochenem Programm voller eingespielter Präsentationen von Gruppen und Initiativen, Live-Podiumsgesprächen auf Bühnen im Haus der Statistik am Alexanderplatz und an der Eisenacher Straße in Schönberg, Talks, Kabaretteinlagen und Kurz-Konzerten.

An den Bühnen sammelten sich jeweils Dutzende Zuschauer, in Schöneberg durften noch Hunderte Neugierige dazugerechnet werden, die vor Bars und Kneipen oder einfach auf dem Bürgersteig saßen. Zu Beginn klappten im Stream nicht alle Schalten auf Anhieb.

An Gruß- und Jubelbotschaften hat es dem CSD aber auch dieses Jahr nicht gemangelt. So wünschten nicht nur Sebastian Walter und Anja Kofbinger, queerpolitische Sprecher und Sprecherin der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, sondern auch CDU-Chef Kai Wegner und der Berliner Bundestagsabgeordnete Jan-Marco Luczak einen „Happy Pride 2020“. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte sich vor dem Roten Rathaus aufgebaut und eine aufbauende Rede gehalten. Kultursenator und Bürgermeister Klaus Lederer (Linke) legte für das Land Berlin am Denkmal für die Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen im Tiergarten einen Kranz nieder.

Eines der wichtigsten Themen in diesem Jahr war die dramatische Situation Homosexueller in Ländern wie Russland, Ungarn oder Polen, wo sich absurderweise bereits mehr als 100 Städte zu LGBT-freien Zonen erklärt haben. Vor dem Haus Ungarn am Boulevard Unter den Linden führte Dragqueen Gloria Viagra durch ein kleines Programm. Betroffene berichteten von Verfolgung und Diskriminierung.

Kein Auftritt von Nina Queer

Aber der CSD hatte in diesem Jahr auch sein eigenes Politikum. Die stadtbekannte Dragqueen, Moderatorin und Partymacherin Nina Queer gilt wegen provokanter Aussagen vielen in der Community als islamfeindliche Rassistin. Ihre Aussage in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel, dann sei sie „eben die erste Hitler-Transe“, fachte den Streit noch an. Am Ende jedenfalls sahen sich die CSD-Veranstalter gezwungen, in ihrem Stream auf eine Live-Schalte zu einer Veranstaltung ins Strandbad Grünau zu verzichten, bei dem Nina Queer hatte auftreten wollen. Stattdessen kamen zum Beispiel Aktivisten der „Anlaufstelle für Islam und Diversity‘‘ zu Wort, einem Projekt der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Moabit der Berliner Anwältin und Menschenrechtlerin Seyran Ates für junge queere Muslime.

Allerdings war der Streit um Nina Queer beileibe nicht das einzige Politikum des diesjährigen CSD. Denn was wäre ein CSD ohne eine kleine, bissige Gegenveranstaltung zum großen, quasi offiziellen, manchmal etwas behäbigen Umzug? Nun gab es ironischerweise ausgerechnet im Corona-Jahr gleich zwei solcher Gegen-Demos auf der Straße. Am Nachmittag startete der Dyke*March am Alexanderplatz, der sich für „lesbische Sichtbarkeit“ unter Einhaltung eines Hygienekonzepts starkmachte. Am frühen Abend trafen sich Aktivisten zu einem „anarchistischen Christopher Street Day“ am Kottbusser Tor. Bei dem Zug durch Kreuzberg und Neukölln zum Hermannplatz wollte man sich gegen „rassistische, homo- und transfeindliche Übergriffe“ in der Gegend positionieren und ein Zeichen setzen gegen „Fundamentalisten, sprich Faschisten und Macker“.

Tatsächlich gibt es auch in Berlin weiter Anlass, Homosexuellen-feindliche Attacken zu beklagen. So gab es laut Polizeistatistik seit Anfang 2017 insgesamt 43 Fälle von explizit lesbenfeindlicher Gewalt. Das geht aus der Antwort der Innenverwaltung auf eine Anfrage des Linksfraktionschefs im Abgeordnetenhaus, Carsten Schatz, hervor, die dieser passend zum CSD veröffentlichte. Umso wichtiger sicher das Motto des diesjährigen Berliner CSD: „Don’t hide your pride“, verstecke deinen Stolz nicht.

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NEUES DEUTSCHLAND

Lesben haben die Hoheit über die Stadt Größte Demonstration für lesbische Sichtbarkeit in der Hauptstadt 26.07.2020

CSD: Lesben haben die Hoheit über die Stadt

Es war eine der bisher größten Demonstrationen für lesbische Sichtbarkeit in der Hauptstadt überhaupt: Über 4000 Menschen nahmen nach Veranstalter*innenangaben am Samstagnachmittag am Berliner Dyke* March teil.

Unter dem Motto »Wir sind ein Haushalt« führte der Zug vom Roten Rathaus über Unter den Linden zum Brandenburger Tor. »Wow! Was für ein Tag«, lautete das freudige Resümee auf der Facebook-Seite. Der Dyke* March war auch die größte Demo zum Termin des großen Christopher Street Days in Berlin. Der fand mit Ausnahme einiger Aktionen auf den Straßen größtenteils virtuell per Livestream statt. So wurde etwa vor der ungarischen Botschaft für die Rechte von Trans-Menschen demonstriert – mit äußerst übersichtlicher Teilnehmerzahl. »Wir dürfen in unserer Stadt, in unserem Land nicht akzeptieren, dass es Übergriffe gibt«, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) vor einem Regenbogen-Banner am Roten Rathaus zur Eröffnung der im Internet übertragenen Veranstaltung.

Durch Kreuzberg und Neukölln zogen am Abend mehrere Hundert Menschen beim anarchistischen CSD. Die Route führte vom Kottbusser Tor zum Hermannplatz mit Schleifen unter anderem zur akut räumungsbedrohten Kollektivkneipe »Syndikat«. Diese wurde ausgewählt, »um die Verdrängung von Menschen aus ihren Kiezen zum Thema zu machen«, teilten die Organisator*innen mit. Ebenfalls ausschlaggebend seien die in der Gegend geschehenen rassistischen, homo- und transfeindlichen Übergriffe. »Wir setzen damit ein Zeichen gegen Fundamentalisten, sprich Faschisten und Macker.«

Wie auch in den Vorjahren gab es Konflikte mit Personen aus dem Umfeld der internationalen pro-palästinensischen Kampagne BDS (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen), deren führende Vertreter offen das Existenzrecht Israels bestreiten.

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1139640.csd-lesben-haben-die-hoheit-ueber-die-stadt.html

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Da war wer ganz flink:
Mehr folgt…